Allgemein
Auf der
113 n. Chr. errichteten Trajanssäule manifestiert sich ein
anderer Geschütztyp, der bezüglich der
Spannrahmenkonstruktion völlig
von der bisherigen Bauweise abweicht.
Die Torsionssysteme stehen deutlich weiter auseinander, die
Spannrahmen sind aus Metall gefertigt und die Torsionsseile sind durch
Blechkapseln
mit Deckel gegen äußere Einflüsse geschützt.
Leider gibt es noch keine Funde die sich zeitlich den
Trajansgeschützen zuordnen lassen.
Funde
von Waffenteilen in Gornea und Orsova (Rumänien)
stammen aus spät-antiken Festungen des 4.Jahrhunderts n. Chr.,
hinsichtlich ihrer
Ausführung weisen sie aber deutliche Parallelen zu den Waffen der
Trajanssäule
auf.
Auch hier sind die Torsionssysteme weit auseinander-gestellt
(1,25m) und es gibt auch eine charakteristische, obere Bogenstrebe aus
Schmiedeeisen, die den Ausführungen auf der Trajanssäule
ähnlich sieht.
Der große Abstand der Torsionsbündel bei dem
Orsova- Geschütz lässt
nur einen vernünftigen Schluss zu: Diese Geschütze
hatten intern wirkende
Katapultsysteme.
Ein
weiterer Fund im mesopotamischen Hatra (Datierung Mitte
3. Jahrh. n. Chr.) bildete ein weiteres Indiz für ein nach
innen
schwenkendes Katapultarmsystem. Zwar war bestand hier der Spannrahmen
aus Holz
mit
Bronzebeschlägen, die Torsionsfedern standen aber ca. 2m
auseinander. Der
Spannrahmen hatte halb runde Aussparungen für die Wurfarme, die
aber nur Sinn
machten, wenn die Katapultarme nach innen gespannt wurden, und im
Ruhezustand
nach vorne ragend in diesen Ausformungen zur Ruhe kamen.
Dr.
Michael Lewis veröffentlichte 2003 einen Beitrag in „World of
Archeology“ über interne Katapultsysteme. Ihm war aufgefallen,
dass bisherige
Rekonstruktionen der spät-antiken Geschütze (Orsova, Hatra)
mit
außen schwenkenden Katapultarmen Unstimmigkeiten aufwiesen.
Verlagerte man die
Katapultarme jedoch nach innen ergaben die Konstruktionen einen Sinn.
Mit Geschützmodellen führte Lewis Versuche durch, die
Leistungssteigerungen um bis zu 50% im Vergleich zu
traditionellen
Ausführungen ergaben.
Die Idee interner Katapultsysteme ist nicht neu. Der Franzose Victor
Prou rekonstruierte schon in der 2. Hälfte des 19.
Jjahrhunderts
einen
Steinewerfer (palintonon) mit einem internen Kaatpultsystem.
Auch
die Darstellungen auf der Trajanssäule mit ihren
distanzierten Torsionssystemen legen die Vermutung nahe, dass
interne
Katapultsysteme zum Einsatz kamen.
Auf
der Trajanssäule werden die beiden Kriege des Kaisers gegen
die Daker (heutiges Rumänien) die zwischen 101 und 105 n. Chr.
stattfanden
propagandistisch dokumentiert. Da diese Waffen damals schon
einsatzbereit
waren, muss deren Entwicklung im letzten Viertel oder gegen
Ende des 1.
Jahrhunderts stattgefunden haben. Wer diese neuartigen Katapulte
entwickelt
hat ist nicht bekannt.
In Frage käme eventuell Apollodorus von Damaskus, genialer
Architekt, Techniker
und außerdem Freund des Kaisers. Wenn dem so wäre, ist
nicht
auszuschließen, dass der Kaiser selbst – der neben seinen
administrativen
Fähigkeiten auch ein formidabler Militär war – auf diese
Entwicklung Einfluss
genommen hat.
Unter
Trajan befand sich das römische Imperium im Zenit seiner
Macht. Neben der technischen Kompetenz (Apollodorus?) waren damit auch
die
notwendigen wirtschaftlichen und personellen Ressourcen zur
Neukonzeption
römischer Torsionsartillerie vorhanden.
Nicht zuletzt wird auch eine Autorität (Trajan) notwendig gewesen
sein, um eine solch umwälzende Neuerung im Geschützdesign
gegen das
traditionelle Beharrungsvermögen militärischer Strukturen
durchzusetzen.

Trajan (geb. 53 gest. 117 n. Chr.
Regentschaft 98 – 117 n.
Chr.)
Die
Darstellungen auf der Trajanssäule zeigen solide gebaute und
offensichtlich standardisierte Geschütze. Was an Bauelementen
erkennbar ist,
macht einen funktionalen gut proportionierten Eindruck. Die
Konstruktion wirkt
„stimmig“.
Im
Rahmen dieser Internetseite wurden erst die Abbildungen der
Trajanssäule einer intensiven Analyse unterzogen. Dann erfolgte
mittels eines
Cad- Systems eine 3D- Modellrekonstruktion der gezeigten
Geschütze.Weiterhin
wurde durch eine rechnerische Simulation der Nachweis
über die signifikante Leistungssteigerung interner Katapultsysteme
gegenüber
konventionellen Systemen bestätigt.
Diese Ergebnisse deckten sich mit der praktischen Erprobung einer
auf ein internes Katapultsystem umgebauten
Geschützrekonstruktion.
Die
antiken Waffensysteme auf Torsionsbasis stellen einen
faszinierenden Teil antiker Technik dar, deren Entstehung man
auf das
4. Jahrhundert v. Chr. datiert. Die Geschütze der
Trajanssäule waren damit
das Ergebnis
einer 500järhrigen Entwicklung. Es waren hochentwickelte Waffen,
die dem
Stand der Technik
ihrer Zeit entsprachen.
Bildnachweis:
Trajanssäule, Matthias Kabel , GNU Free
Documentation License
Trajan, GNU Free Documentation License
Weitere Quellenhinweise: