Erschließung konstruktiver
Details anhand der
Geschützdarstellungen auf der Trajanssäule in Rom
Auf eine umfassende
Erläuterung antiker Artillerie wird verzichtet.
Siehe hierzu Literatur- und
Internetverzeichnis unter Menüpunkt "Referenzen."
Was ist zu erkennen ?
Wie lässt es sich deuten?
Voraussetzungen
Bildmaterial der
Trajanssäule und Kenntnisse über das
Geschützwesen der römischen Armee.
Quellen
Printveröffentlichungen über antike Geschütze und
Internetrecherchen.
Bei einer Bewertung der
Darstellungen auf der Trajanssäule ist zu beachten,
dass die Bildhauer die die Reliefs geschaffen haben, keine
fotorealistischen
Darstellungen ausführten. Es geht vielmehr um stark figürlich
orientierte
Darstellungen der Dakerkriege des Kaisers Trajan, die in den Jahren 101
bis 105 n. Chr.
stattfanden.
Personen stehen im Vordergrund, der Kaiser selbst erscheint ca.
60 Mal auf
der Säule. Die Perspektiven sind häufig verzerrt und Personen in
Übergröße im Vergleich zur
Umgebung und dem Hintergrund dargestellt.

Legionäre
überschreiten
eine
Schiffsbrücke.
©
Deutsches
Archäologisches
Institut Rom
Trotz dieser Einschränkungen
liefern die Reliefs eine Fülle von
Details über römische Militärtechnik und Kriegsführung.
Hinsichtlich der abgebildeten Torsionsgeschütze gibt es die Problematik, dass derzeit keine Funde bekannt sind, die sich eindeutig dem auf der Trajanssäule dargestellten Waffentyp zuordnen lassen. Es gilt aber als gesichert, dass ein Zusammenhang besteht zwischen den dargestellten Geschützen und bisher gefundenen spät-antiken Geschützteilen.
Allen Darstellungen ist
gemeinsam, dass die Geschütze auf drei
wesentliche Elemente reduziert sind.
Trajanssäule
Eine ballista feuert aus einer mit Baumstämmen befestigten
Stellung. Im Hintergrund links
stehen zwei Geschütze in einer
gemauerten
Befestigung.
©
Deutsches Archäologisches Institut Rom.
Aus der Sicht des antiken
Betrachters war dies jedoch auch nicht
notwendig. Das Aussehen dieser Geschütze dürfte bekannt gewesen sein.
Allein
die Andeutung der drei oben genannten Elemente genügte, um das
Dargestellte
als Geschütz zu identifizieren.
Abbildung 3
Auszug aus
Abbildung 2.
Legio
e
Abbildung 3
Legionäre feuern mit einer ballista aus einer
befestigten
Stellung.
© Deutsches
Archäologisches Institut Rom
1.
Es wird davon
ausgegangen, dass es sich um ein Pfeilkatapult
(scorpio, tormenta, ballista) handelt.
Baugröße
und flacher
Schusswinkel sprechen gegen einen Steinewerfer-,
und eher für ein Geschütz, das Pfeile oder besser gesagt Geschossbolzen
abfeuerte.
2.Das
Geschütz wird von zwei
Mann
bedient.
Praktische Schießversuche
bestätigen dies als Idealbesetzung. Ein Mann richtet und spannt über
die Winde
die Sehne. Ein weiterer Mann legt den Geschossbolzen auf und löst den
Schuss aus.
Die Zweimannbesatzung wiederholt sich auch
auf anderen Abbildungen und
dürfte
damit authentisch sein.
3.
Das Geschütz feuert aus
einer Befestigung aus Baumstämmen
heraus.
Die
Bedienungsmannschaft
musste sich – vermutlich handelt es sich
bei Abbildung 2 um die Darstellung einer Belagerung – durch eine
Befestigung
schützen. Dies erlaubt Aussagen über die effektive Geschützreichweite.
Das Geschütz
stand offensichtlich in Reichweite gegnerischer Fernwaffen. Dabei ist
eher an
Pfeilbeschuss als an Speerwürfe zu denken.
Sekundär
wäre auch an eine
gedeckte Stellung gegen Angriffe
(Ausfälle) des Feindes zu denken, für den die gefährlichen
Geschützstellungen
sicher ein lohnendes Ziel waren.
4.
Die Konstruktion wird als Torsionsgeschütz definiert.
Das Geschütz lässt sich in
seiner Bauart späteren Funden zuordnen.
Bogenstrebe und seitliche Ständer für die Torsionsbündel tauchen auch
bei
spät-antiken Modellen auf. Das Geschütz arbeitet nach dem
Torsionsprinzip.
5. Die beiden Torsionssysteme stehen
Eine
dafür Erklärung wäre: dass das
Geschütz ein nach innen
schwenkendes Armsystem hatte. Diese Bauart erfordert einen weiten
Abstand der
Torsionssysteme, da die Katapultarme nach innen schwingen.
Zeichnerische Rekonstruktion. Katapult mit internem Armsystem.
Dargestellt
ist der gespannte Zustand.
Perspektive
ist vergleichbar mit Abbildung 3.
6.
Größe des Abstandes der
Torsionsbuchsen
Dieser
ist anhand der
Abbildung schwer zu bestimmbar. Bei der
Darstellung handelt es sich um keine technische Zeichnung, das Geschütz
wird schräg
von der
Seite gesehen dargestellt.
7.
Größe der Torsionssysteme
Hier
kann der Fund eines
Torsionsständers mit Spannbuchsen im
französischen Lyon.( aktuell datiert auf 197 n. Chr.) weiter
helfen. Der
Ständer hat eine Höhe von 320 mm und der Innendurchmesser der
Spannbuchse liegt
bei ca. 80-85mm. Die beiden vertikalen Streben der Ständer hätten, bei
einer
Verkleidung durch eine Blechkapsel, einen Außendurchmesser von
ca. 140mm.
Mit diesen technischen Vorgaben – Abstand und Höhe der Torsionsbuchsen
– wurde
die Abbildung 4 erstellt.
8.
Es sind keine
Katapultarme zu erkennen.
Dieser
Sachverhalt ist allen
Darstellungen gemeinsam.
Als
Deutungsmöglichkeiten
bieten sich an:
a.
Die Arme bestanden aus
Metall und waren in das
Steinrelief eingesteckt. Es gilt als gesichert, dass es solche
Metallteile z. B.
Speere an der Trajanssäule gegeben hat, diese aber im Laufe der
Jahrhunderte
durch Metallsammler entwendet wurden. Es lassen sich aber keine
Ankerpunkte für
solche Teile erkennen.
b.
Weiterhin besteht die
Möglichkeit, dass völlig auf das Detail
der Katapultarme verzichtet wurde. Der Künstler hätte also das Geschütz
durch
seine wesentlichen Bauteile – den
charakteristischen Spannrahmen,
Dreibein und Schaft – angedeutet.
Dies steht aber im Widerspruch zu den
ansonsten äußerst genauen Darstellungen, die selbst Kleinigkeiten der
Legionärsausrüstung zeige.
c.
Eine alternative
Möglichkeit wäre, dass der Katapult über ein
nach innen schwenkendes (internes) Katapultarmsystem verfügte. Das
Geschütz
könnte im gespannten Zustand dargestellt sein. Die Katapultarme
wären
dann nicht sichtbar, da sie hinter der rechten Torsionsbuchse
und dem
Schaft verschwinden (siehe Abbildung 4).
d. Eine bemerkenswerte IVorstellung ist auch, dass diese Geschütze womöglich gar keine Katapultarme hatten, und eine noch völlig unbekannte Mechanik enthielten. Dies ist reine Spekulation, wäre aber eine theoretische Überprüfung wert.

Abbildung 5
Der weite Abstand der Torsionssysteme
ergibt sich
aus der Innenbewegung der
Katapultarme.
Bei
den
traditionellen
Geschützen befand sich der Ständer hinter dem Spannrahmen und war am
Schaft
montiert. Dies
dürfte ein
weiteres Indiz für ein internes Katapultsystem sein. Schaft und
Schieber ragen
konstruktionsbedingt weiter über den Spannrahmen hinaus. Geht man davon
aus,
dass das System im Gleichgewicht sein soll ist eine Unterstützung am
Spannrahmen
günstiger.
10.
Das
Dreibein ist
sehr kurz ausgeführt und steht auf einem Sockel aus Baumstämmen.
a.
Das
Dreibein könnte
im Original länger gewesen sein und nahezu unsichtbar hinter der
Befestigung gestanden haben. Das Geschütz wäre dann ohne
Einschränkung
seiner Wirkungsmöglichkeit besser in Deckung zu bringen gewesen. (siehe
auch
Abbildung 6).
Eine
erneute
Betrachtung der Abbildung 2 könnte eine gewollte
Verfremdung
bestätigen. Die
Geschützbedienung
selbst befindet sich in exponierter Lage, nutzt aber nicht die
Deckungsmöglichkeit der Befestigung. Es handelt
sich zweifellos
um eine
Gefechtssituation, es werden aber keine Helme getragen. Hier war es
ganz
offensichtlich das primäre, Ziel die Geschützmannschaft
zu
individualisieren, denn es
sind sehr ausgeprägte Gesichtszüge zu erkennen. Es sollten
offensichtlich
zwei
Personen erkennbar dargestellt
werden, eventuell eine herausragende
Geschützmannschaft,
die auf diese Weise besonders geehrt wurde.

b.
Es gab
technische
Gründe den Ständer so kurz auszuführen, dass eine Unterstellmöglichkeit
notwendig war.
Ein
kurzes
Dreibein
schränkt die Verwendungsmöglichkeiten des Geschützes ein, da immer ein
Podium
zum Aufstellen notwendig gewesen wäre. Zwar ist es denkbar, dass die
Transportwagen diese Möglichkeit boten, bei abgesetztem Betrieb, z.B.
auf
Umwehrungen, hätte immer erst eine „Geschützbank“ errichtet werden
müssen.
Ein
Ständer, der ohne
weiteren Aufwand den Einsatz auf den Transportwagen, in freier
Aufstellung im
Gelände und auf Wällen erlaubte, ist und bleibt die günstigste und
damit
die
wahrscheinlichste Bauart für einen Geschützunterbau.
11.
Der
Spannrahmen
scheint über ein Scharnier mit dem Ständer verbunden zu sein.
Es ist erkennbar, dass die untere Strebe im Bereich der Anbindung an das Dreibein ausgespart ist. Dies war offensichtlich notwendig um Platz für eine Schwenkvorrichtung zu schaffen. Wie diese Verbindung konstruiert war ist schwer zu erkennen.
12. Eine Möglichkeit
zur Seitenausrichtung ist nicht erkennbar
Am
Dreibein ist nicht zu
erkennen, dass das Geschütz eine
Möglichkeit zur Seitenausrichtung hat. Dies würde ein Drehlager mit
vertikaler
Achsrichtung bedingen.
Wahrscheinlich
wurde das
Geschütz komplett in die gewünschte
Schussrichtung positioniert.
Anmerkung:
Mit den Torsionsgeschützen waren nur statische Ziele zu bekämpfen. Ein bewegtes Ziel (z.B. einen Kavalleristen) zu treffen war wohl eher Glückssache als planbar. Die Geschossgeschwindigkeiten waren viel zu gering, die Abweichungen durch Windabdrift, ungleichmäßiges Geschossgewicht und Aerodynamik viel zu groß als das dies möglich gewesen wäre. War ein Katapult einmal auf ein feststehendes Ziel, eine Truppenansammlung, eine Ausfallpforte oder den Wallabschnitt einer gegnerischen Befestigung ausgerichtet, waren im Wesentlichen keine Korrekturen mehr notwendig. Es ist durchaus denkbar, dass aus diesen Gründen auf eine technische Möglichkeit zur Seitenrichtung verzichtet wurde.
13.
Die
Torsionsbündel sind
zylinderförmig gekapselt. Oben und unten sind die Kapseln mit
kegelförmigen
Deckeln verschlossen.
Die Torsionsseile bestanden
aus empfindlichen, organischen
Materialien, wie Sehnen oder Haarseilen aus Rosshaar. Diese mussten
durch Abkapselung
vor äußeren Einflüssen wie Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung oder
mechanische
Beeinträchtigungen (Feindbeschuss) geschützt werden.
Anmerkung:
Antike Autoren sprechen ab
dem 1. Jahrhundert n. Chr. nur noch
von Sehnenbündeln und nicht mehr von Haarseilen. Denkbar ist, dass
Haarseile
für
intern wirkende Katapultsysteme ungeeignet waren.
14. Der
untere
Querträger scheint von der Gestaltung her aus Metall zu sein.
Eine derartige Konstruktion
aus Holz hätte den entstehenden
Krafteinflüssen beim Spannen und Schießen nicht stand gehalten. Man hat
den
Eindruck, dass beide Streben über geschmiedete oder eingegossene
Rinnen
verfügen (Kannelierung). Vermutlich eine Maßnahme zur
Gewichtsverminderung, dieses Detail kommt nur auf der Trajanssäule vor
und ist bei späteren
Katapultfunden nicht nachweisbar
Abbildung 7
Querschnitt
durch die obere Bogenstrebe.
Die
Kannelierung ergäbe das charakteristische
Aussehen.
15. Die
obere
Querstrebe ist stark bogenförmig ausgeführt.
Wird ein internes
Katapultsystem vorausgesetzt, stehen im entspannten
Zustand die Katapultarme nach vorne über den Spannrahmen hinaus. Zum
Spannen
muss der Bediener unter der oberen Strebe nach vorne zu der Sehne
greifen, um sie
in die Halteklaue des Spannschiebers einzuklinken. Aus diesem Grund
besteht die
Notwendigkeit, die obere Strebe entsprechend raumgebend zu gestalten.
Abbildung 8
Griff
unter der Bogenstrebe
nach vorne zur Sehne
(Foto Autor)
Abbildung 9
Bogenstrebe
(Kamarion) eines spät antiken
Torsionsgeschützes (4. Jah. n.
Chr.)
Umzeichnung
nach N. Gudea und D. Baatz Teile
spät römischer Ballisten aus
Gornea und Orsova
(Rumänien)“
Anmerkung:
Bei
der Orsova-Strebe
sind links
und rechts neben der bogenförmigen Ausbuchtung Bohrungen zu erkennen.
Da diese
Strebe – im Vergleich zu den
Darstellungen auf der
Trajanssäule
– sehr dünn aus geschmiedet
war, ist denkbar, dass diese Bohrungen als
Ankerpunkte
für eine zusätzliche stabilisierende Verspannung oder Verstrebung
dieser
Bogenstrebe dienten. Die Strebe selbst ist glatt
aus geschmiedet. Eine
Kannelierung ist nicht vorhanden. Wie die Anbindung – mittels der
gabelförmigen
Enden – an die
Torsionsständer erfolgt, ist noch ungeklärt.
16.
Der Spannrahmen
a.
Bei
den in Rumänien und im
französischen Lyon gefundenen Geschützteilen
erfolgt die Anbindung der Streben an die Torsionsständer durch
gabelförmig
aus geformte Enden, die in u-förmig gebogenen, an genieteten Haltern an
den
Ständern befestigt waren.
Wie die Befestigung selbst erfolgte, ist nicht sicher geklärt. Möglicherweise wurde die Fixierung durch eingeschlagene Holzkeile vorgenommen. Eine Variante wäre auch eine gut lösbare Verbindung durch eingesetzte Eisenkeile. Eine lösbare Verbindung zwischen Torsionsständern und Streben hatte einen enormen Vorteil.:
Man
konnte die
Torsionssysteme samt Bespannung im Schadensfall
sehr schnell und relativ unkompliziert gegen einen vorbereiteten Ersatz
wechseln. Diese Möglichkeit war bei den traditionellen, hellenistischen
Systemen mit Holzständerbauweise nicht gegeben. Hier war das Geschütz
nach
einer Beschädigung unbrauchbar und die Bespannung musste zeitaufwändig
getauscht werden.
Gut denkbar
ist,
dass im
Einsatzfall fertig bespannte Torsionsständer
bereitstanden um die Bereitschaft der Geschütze im Schadensfall
schnell
wieder herzustellen.
Zugehörig
zu Bogenstrebe Abbildung 9.
Torsionsständer
(Kambestrion)
eines
spät antiken Geschützes
aus dem
rumänische Orsova.
Die Formgebung ließ
keine zylindrische
Kapselung
zu. (4. Jah. n. Chr.) .
Umzeichnung
nach N. Gudea
und D. Baatz
„Teile
spät-römischer Ballisten aus Gornea und
Orsova (Rumänien)“
Auffallend
bei den
Trajangseschützen ist die „saubere“ zylindrische
Verkleidung, die eine geeignete konstruktive Gestaltung der
Torsionsständer erfordert .Die Torsionsständer des Orsova- Geschützes
sind so ausgelegt, dass eine zylindrische Verkleidung nicht möglich und
selbst
eine anderweitig gestaltete Schutzverkleidung für die Torsionsfedern
nur sehr
schwer zu verwirklichen gewesen wäre.
Wahrscheinlich
ist der Grund
hierfür sehr einfach, denn diese
spät-antiken Geschützteile wurden in Festungen gefunden, waren
also
stationär und unter Dach aufgestellt, dadurch konnte auf den Schutz
der Sehnenbündel vor Witterungseinflüssen oder sekundärer
Feindwirkung
verzichtet
werden.
Anders bei den
Katapulten
auf der Trajanssäule, diese wurden auf
Feldzügen mitgeführt, standen praktisch immer im Freien und waren im
Gefecht
auch feindlicher Waffenwirkung ausgesetzt.
Abbildung
11
Torsionsständer Fund aus dem französischen
Lyon. Datiert in die 2. Hälfte des 2. Jh. n.
Chr.,
rechts
Draufsicht.
Umzeichnung
nach M. Feegere
und D. Baatz
„Catapulte Romain de Lyon“
Abbildung
12
Links:
Vorgeschlagenes Klammersystem im Detail,
rechts Torsionsständer ohne Streben.
(siehe Menüpunkt Rekonstruktion)
Sowohl auf
Abbildung 3 als auch 14 ist ein Schieber mit schwalbenschwanzförmiger
Führung zu
erkennen. Ob der Schieber in einen
Schaft eingesetzt ist, ist nicht zu
erkennen.
Abbildungen 13a-c zeigen eine zeichnerische Rekonstruktion. Es wurde
davon
ausgegangen, dass bei vorne stehender Sehne eine Geschosslänge zur
Pfeilführung
verbleiben muss.
Einklinken
der Sehne. Situation unter der Voraussetzung, dass der Verschluss
bis an die
Sehne vorgeschoben werden muss, und beim Schuss und vorne stehender Sehne die Pfeilrinne
Abbildung 13.b
Geschütz
gespannt.
Abbildung
13.c
Situation
nach dem Schuss.
Es wird deutlich wie weit
bei einem internen Katapultsystem der
Schieber nach vorne geschoben werden
müsste, um ein Einklinken der Sehne zu
ermöglichen.
Ausschnitt
aus Abb. 2
Analyse
Abbildung 14
1.
2.
Die Bogenstrebe ist
tiefer angesetzt als auf Abbildung 3
Es
stellt sich hier die
Frage ob die Bogenstrebe wirklich so stark
vom unteren Rand des oberen Deckels abgesetzt war. Eine Rekonstruktion
wie in
Abbildung 5 gezeichnet wäre dann fraglich.
3.
Die Bogenstrebe scheint
wieder profiliert, aber stark verzerrt
dargestellt.
Ist
die Bogenstrebe auf den
beiden folgenden Abbildungen stark
vereinfacht, sind hier die Rillen wieder gut zu erkennen.
4.
Die Bogenstrebe ist
deutlich tiefer angesetzt als auf Abbildung
3
Der
Ansatzpunkt für die
Bogenstrebe scheint bei der dargestellten
Perspektive nahe der Oberkante zu liegen. Dies würde
bedeuten, dass
die Strebe einen eigenen Ansatzpunkt am Torsionsständer hatte und nicht
am
oberen Flansch des Ständers angeklemmt oder angenietet war.
5.
Der Schaft erscheint
wiederum als ein Bauteil.
Man meint
zwar einen
unten schwalbenschwanzartig
ausgearbeiteten Schieber mit Pfeilrinne zu erkennen, dieser müsste aber
zur
Längsführung aus dem größeren Schaft herausragen.
Transport
eines Geschütze
mittels Wagen.
©
Deutsches
Archäologisches Institut Rom.
1. Die Geschütze waren auf
einen Wagen
gestellt oder montiert.
Eine unabdingbare
Voraussetzung, um die
Geschütze auf Feldzügen mit zuführen.
2. Es sind zwei Zugtiere
(Maultiere?) zu
erkennen.
Das Gewicht von Wagen und
Geschütz
bedingte den Einsatz von Zugtieren.
3. Der Wagen ist einachsig und
hat Räder
mit acht Speichen
Einachsige Wagen mit
Speichenrädern sind
für die Römerzeit belegt
4. Der Wagen scheint einen
kastenartigen
Aufbau zu haben.
Dies ist schwierig zu
interpretieren. Die
Darstellung auf der Marc-Aurel-Säule ist in dieser Hinsicht
aufschlussreicher.
Transportsituation.
Katapultarme,
Kurbel und die beiden unteren
Schutzdeckel
der
Torsionsständer sind
entfernt. (Darstellung ohne Zugtiere).
Vergleichbar Abbildung 15
a.
Die Öse könnte ein Hinweis
darauf sein,
dass das Geschütz nur lose auf den Wagen
gestellt war,
und mittels Seilen am Wagen fixiert wurde.
b.
Die Öse diente zum Befestigen einer Abdeckplane für das Geschütz, diese
könnte aus gewachstem
Leinen oder gefettetem Leder gewesen sein, um als Schutz vor
Witterungseinflüssen zu dienen.
6.
Bei den Torsionsbuchsen
fehlen die
unteren Deckel. Denkbar wäre eine vereinfachte
Darstellung, möglich wäre jedoch auch, dass beim Transport die unteren
Deckel
entfernt wurden, da sie nur
aufgesteckt
waren und durch Erschütterungen beim Transport abgefallen wären.
Die Deckel müssen so ausgebildet
sein, dass
Spannbuchse und Bolzen darunter Platz finden.
8. Das Dreibein ist noch kürzer
dargestellt als auf Abbildung 3
Die
Darstellung ist vereinfacht
oder es
kann auch hier die Argumentation von Abbildung 2 gelten.
9.
Der Schaft ist nicht zu
erkennen.
Möglich
wäre, dass der Schaft
zum Transport
demontiert war. Näher liegend ist, dass der Bildhauer sich bei diesem
Motiv mehr
auf den Wagen und den Legionär konzentrierte, der kraftvoll in die
Speichen der
Räder greift. Das Geschütz ist alsozweitrangig und deshalb nur
angedeutet.
10.
Die Bogenstrebe ist ohne
die
charakteristischen Aussparungen dargestellt.
Die
Darstellung ist entgegen
Abbildung 2
stark vereinfacht.
11.
Die untere Strebe ist viel
breiter dargestellt
als auf Abbildung 3 und verfügt auch über keine Aussparungen.
Was
den Bildhauer veranlasste
hier die
Strebe so massiv darzustellen, lässt sich nicht recht nachvollziehen.
Man
hat
förmlich den Eindruck ein Brett sei durch die Torsionsbuchsen geschoben.
12.
Links und rechts der
Buchsen sind zwei
halb kreisförmige Bauteile dargestellt, die man als Verlängerung der
unteren
Strebe deuten könnte.
Diese
Darstellung ist nicht
leicht zu
erklären. Es könnte sich hier um die Andeutung der Katapultarme halten.
Dies
ist aber reine Spekulation.
Abbildung
17
Legionäre
feuern von einem Wagen über die
Zugtiere hinweg.
© Deutsches
Archäologisches Institut Rom
1. Es wird
mit einem
aus einem Wagen montierten Geschütz aus über die vorgespannten Zugtiere
hinweg geschossen.
Es
konnte also selbst im
Transportzustand geschossen werden.Schussrichtung
war über die
Zugtiere hinweg in Fahrtrichtung. Auch wenn es
hier nicht sichtbar ist wird über die Köpfe der eigenen Truppen hinweg
geschossen, ein Hinweis dafür, dass diese Geschützsysteme auch in der
offenen
Feldschlacht verwendet wurden.
2.
Es sind zwei Geschütze
dargestellt.
Die
Batterieform – immer
mehrere Geschütze – dürfte
das übliche
System gewesen sein. Als Einzelgeschütz dürfte die Zieleinwirkung nur
unbedeutend
gewesen sein.
3. Das
Dreibein ist
nicht erkennbar.
Bei
dieser Darstellung neigt
man zu der Ansicht, dass das Geschütz im
kastenartigen Aufbau des Wagens steht und nur die zum Schießen
notwendigen
Teile, Spannrahmen, Schaft und Schieber über den Wagenrand
hinausragen.

Abbildung 18
Schießen vom Wagen aus.
Nach Abbildung
17
4. Der
Wagen hat einen
ausgeprägt dargestellten oberen Rand und scheint zur Geschützbedienung
hinten
offen zu sein.
Der
Wagen könnte vorne
geschlossen gewesen sein, seitlich waren
zwei Bordwände vorhanden, und von hinten war der Wagen offen, um an die
Bedienelemente wie Winde, Höhenrichtmechanik und den Verschluss zu
kommen.
5.
Der
hintere Legionär
hält sich an einem Griff fest oder umgreift den Hebelarm der
Spannwinde. Der Legionär steht außerhalb des Wagens.
6.
Der
vordere Legionär
greift durch die Bogenstrebe, und arretiert die Sehne mittels
Verschluss.
Dies
könnte als Indiz
für ein internes Katapultsystem gedeutet werden, der Spanngriff muss
durch die
Bogenstrebe zu der vor dem Spannrahmen liegenden Sehne erfolgen.

Marc-Aurel-Säule.
Auch hier
ist ein Geschütz zu sehen, das
auf
einem Wagen aufgestellt ist.
1.
Handelt es sich um ein
Pfeilgeschütz oder um einen
Steinewerfer?
Analog den Darstellungen auf der Trajanssäule spricht allein die Baugröße für eine ballista (Pfeilgeschütz). Für einen Steinewerfer könnte der steile Anstellwinkel sprechen.
2.
Der Ständer ist
länger ausgeführt als auf den Darstellungen
der Trajanssäule und ruht offensichtlich auf der Vorderkante des
Wagens.
Wird
davon ausgegangen, dass
der Ständer auf dem vorderen Rand des
Wagens befestigt ist, würde eine kurze Ständerausführung Sinn machen,
da die
vordere Wagenwand eine Art Podestfunktion hat.
Es kann
natürlich wiederum
nicht ausgeschlossen werden, dass das
Geschütz im Wagen steht und die Darstellung verfälscht ist.

enteile des
Wagens sind hinten angeschrägt.
Dies
ist notwendig, um das
Geschütz zu bedienen. Besonders die
Winde liegt bei hohen Anstellwinkeln nahe am Boden.
4.
Der Anstellwinkel des
Geschützes liegt bei 40° bis 45°.
Unter
diesem Winkeln schießen
die Geschütze am weitesten. Wird dem
Katapulttyp, im Gegensatz zu den Steinewerfern, gerne unterstellt, dass
flach
geschossen wurde, belegt diese Darstellung das Gegenteil. Es gibt auch
keinerlei praktische Gründe die gegen einen solchen ausgeprägten
„Bogenschuss“
sprechen. Zwar nimmt die Zielgenauigkeit stark ab, entscheidend ist
aber das
Ziel. Ein flächenmäßig großes Ziel, Truppenansammelungen oder urbane
Bereiche
hinter Stadtmauern, Innenbereiche von Festungen usw. boten sicherlich
Treffermöglichkeiten.
Dies
gilt besonders beim
Einsatz in Batterieform, bei dem mit
einer Vielzahl von Geschützen gleichzeitig geschossen wurde.
5.
Der Katapult selbst macht
einen unvollständigen Eindruck. Die
Torsionsbuchsen fehlen völlig.
Duncan
B. Campbell äußert in
seiner Veröffentlichung „Greek and Roman Artillery 399BC-AD
363“ die Vermutung, das Geschütz würde im zerlegten Zustand
transportiert. Dem
stehen aber die sehr konzentriert wirkenden Posen der Geschützbediener
in
Feuerstellung entgegen. Denkbar wäre, dass die aus dem Relief ragenden
Torsionsbuchsen abgebrochen sind –
im Bereich wo die Torsionsständer
gewesen
sein müssten, glaubt man Abbruchspuren erkennen zu können – oder das
der
Bildhauer aus Gründen der Steinbearbeitung völlig darauf verzichtet hat.
6. Wie in Abbildung 17 befindet sich ein Mann der Geschützbedienung
außerhalb des Wagens. Man hat förmilch den Eindruck, er würde in
gebückter Haltung sich am hiteren Wagenboden festhalten, und über den
Schaft mit Schieber zielen.
7.
Das gezeigte Rad hat nur
vier Speichen.
Es
handelt sich bei der Darstellung sehr
wahrscheinlich um eine
starke Vereinfachung. Acht Speichen wären
mit Sicherheit aus Stabilitätsgründen angemessen.
8.Vergleich
zu Darstellungen
auf der Trajanssäule.
Die
Ähnlichkeit zwischen den
Darstellungen auf der Trajans- und
derjenigen auf derAurelsäule sind unverkennbar. Die Aurelsäule
gibt hinsichtlich der Konstruktion des Wagens wohl den realistischeren
Eindruck, da die Wagenkonstruktion Platz zum Bedienen des Geschützes
lässt.Die
Darstellungen auf der
Trajanssäule sind hier weniger
detailliert.Bemerkenswert
ist auch der
Anschein, dass der Ständer des
Geschützes auf dem vorderen Wagenrand abgestellt ist. Hier ließe sich
ein
Zusammenhang mit den zu kurz wirkenden Darstellungen der Ständer auf
der
Trajanssäule herstellen.
Bezüglich der
Ausführung der
Ständerkonstruktion gibt es zwei Möglichkeiten:
a.
Der Ständer war primär
für den Einsatz vom Wagen aus
konstruiert. Das Dreibein war fest auf dem Wagen montiert, und auf der
vorderen
Bordwand des Wagens fixiert.
Eine
stationäre
Aufstellung war
möglich. Dabei wurde in Kauf genommen,
dass der Ständer einen Unterbau benötigte. Bei Feldbefestigungen
konnten
dies
Holzstöße (Abbildung 3) oder auch einfach aufgeschüttete Erde
sein.
Marsch- und Standlager aus Holz und Erde waren wichtige und ständig
angewandte
Elemente römischer Militärtaktik.
Ob
bei einer solchen
Konfiguration Feuerbereitschaft auch bei
abgespannten Zugtieren möglich war ist unbekannt. Solche Darstellungen
sind
nicht überliefert.
b.
Die Darstellungen sind
verfälscht. Der Ständer wurde aus künstlerischen
Gründen immer ganz, wenn auch verkürzt dargestellt, auch wenn er für
den
Betrachter hinter Bauteilen des Transportwagens oder einer Befestigung
ganz
oder teilweise verschwunden war.
Die
Geschütze wurden mit
ihrer Unterkonstruktion einfach auf die
Wagen gestellt und im Transportzustand mittels Seilen an Zurrösen
befestigt.
Für
diese Ausführung spricht:
Das Geschütz wäre zur
Seitenausrichtung einfach auf dem Wagen gedreht
worden. Dies wäre für leichte seitliche Winkeleinstellungen
ausreichend. Die
grobe Ausrichtung hätte mit Wagen und Zugtieren erfolgen müssen.

Hypothetische
Aufstellung des Geschützes
auf
einem Wagen. Spurweite
ca. 1,2m.

Abbildung 22
Rekonstruktion eines einachsigen Wagens.
(siehe Menüpunkt „Simulation“)
Zeichnungen und Text: Autor
Quellenhinweise
Verwendete Publikationen und
Internetseiten: siehe Menüpunkt
"Referenzen".