Rekonstruktion einer carroballista nach Motiven der Trajans- und
Marc
Aurelsäule (Rom)
Methodik
Auf
Basis der mittels Analyse der Darstellungen (Menüpunkt
"Analyse")
auf der Trajans- und der
Marc-Aurel-Säule
gewonnenen Erkenntnisse
kann man eine Rekonstruktion dieses Geschütztyps vornehmen. Die
Rekonstruktion
soll dabei weitestgehend im Einklang mit dem bisher durch Funde
und
schriftliche Überlieferungen – erreichten Wissenstand über antike
Pfeilgeschütze bleiben.
Die
Rekonstruktion hat nur Vorschlagcharakter. So sind
beispielsweise die Windensysteme zum Spannen der Geschütze auf den
Darstellungen
nicht ausgeführt. Deswegen kann das bei der Rekonstruktion verwendete
System
von der originalen Ausführung abweichen. Wie konstruktive Details
in der
Wirklichkeit ausgesehen haben, lässt sich nur durch Funde klären, die
sich
diesen Geschützen zuordnen lassen. Da immer wieder Bauteile antiker
Torsionsgeschütze gefunden werden, ist dies für die Zukunft nicht
auszuschließen.
Auch ist es durchaus möglich, dass in Museumsmagazinen Relikte solcher
Geschütze
liegen und als solche noch nicht erkannt worden sind. Die
Rekonstruktion beginnt mit einzelnen Bauteilen die dann zum gesamten
Geschütz
zusammengefügt werden.
Torsionsständer
Die
Torsionsständer haben die Aufgabe, die beiden Spannbuchsen zu lagern
und
auf
Abstand zu halten. Es werden jeweils zwei Spannringe mit zwei vertikal
stehenden Streben vernietet. Die vorderen Streben haben Ausformungen,
in
denen
später die Katapultarme in ihrer vorderen Stellung ruhen. An jeder
Strebe werden
zwei Ösen vernietet in denen die Unter- und Bogenstrebe des
Spannrahmens montiert werden.
In den Spannringen sind die Gegenbohrungen zu den Spannbuchsen eingebracht, in denen diese mittels Steckbolzen arretiert werden.Die Ständer haben eine Höhe von ca. 300 mm. Die Spannringe sind außen im Durchmesser von 145 mm gehalten und innen passend zu den Spannbuchsen ausgearbeitet.

Linker und rechter
Torsionsständer.
Rekonstruktion nach Funden
aus dem französischen
Lyon
und aus Gornea
(Rumänien)
Die
Streben
Die
beiden Torsionssysteme (Ständer, Spannbuchsen, Sehnenbündel und
Katapultarme)
werden durch zwei Streben auf Abstand positioniert. Die untere Strebe
nimmt
später den Schaft mit dem Schieber und den Ständer mit dem
Schwenkgelenk zur Höhenausrichtung
auf. Die Streben sind aus Schmiedeeisen und zur Gewichtsersparnis mit
beidseitig ein geschmiedeten Hohlkehlen (Kannelierungen) ausgestattet.
Die Unterstrebe ist aus zwei Teilen aufgebaut, die miteiander vernietet
werden (Leiterstrebe).Die
Befestigung an den Torsionsständern erfolgt mit Gabeln deren Enden in
die
Halteösen an den vertikalen Ständerstreben gesteckt werden. Die
Gabelenden
haben ein geschmiedete rechteckige Löcher. In diese werden Eisenkeile
eingeschlagen und damit die Streben an den Ständern fixiert. Der
immense
Vorteil dieser Konstruktion ist die im Bedarfsfall schnelle
Demontage der
Torsionsständer.
Abbildung
2
Unterstrebe, vorne
als Explosionszeichnung.
Bogen- und Unterstrebe.


Abbildungen 4 und 5
Montage der Streben durch Hakenverbindungen mit eingeschlagenen
Haltekeilen.
Spannrahmen
Abbildung 6 zeigt den Spannrahmen ohne Spannbuchsen, Sehnenbündel, Katapultarme und Schutzbuchsen. Die unverkleideten Torsionsständer verdeutlichen den konstruktiven Aufbau.

Abbildung 6
Spannrahmen
montiert.
Spannbuchsen
Die
Spannbuchsen sind aus Bronze gegossen. Der Innendurchmesser beträgt ca.
80mm
bei einem Außendurchmesser von 145 mm. Die Höhe beträgt ca. 90mm, ein
an der
Unterseite angegossener Rand dient zur Fixierung in den Spannringen der
Torsionsständer, eine eingegossene Quernut
zur
Aufnahme der Spannbolzen. Vier eingearbeitete Bohrungen haben die
Aufgabe, die
Spannbuchse mittels Vorsteckbolzen in den Bohrungen der Spannringe zu
fixieren.
Die Rekonstruktion beruht auf Funden aus dem italienischen Cremona,
datiert auf 69 n. Chr.
Spannbuchse Links
in Draufsicht, rechts
Ansicht von unten.
Rekonstruktion nach einem
Verwahrfund von Cremona (Italien,
datiert
auf 69 n. Chr.)
Spannbuchse mit
montiertem Spannbolzen und Vorstecker.
Spannbolzen
Geschützbauteile,
die wohl am wenigsten Aufmerksamkeit erregen, dürften die Spannbolzen
sein auf
den ersten Blick ein einfache Bauteile. Es handel sich dabei um
quaderförmige
Schmiedestück, die
oben zum Umschlingen der Torsionsseile gerundet sind. Betrachtet
man Funde (z.B. aus Cremona) stellen sich
diese Bauteile
als recht komplexe Gebilde dar.
Was
macht diese Bauteile wider Erwarten kompliziert?
Die
Spannbolzen ruhen in eingegossenen (und/oder eingemeißelten oder
eingefeilten)
Nuten der Spannbuchsen. Wird ein einfacher gerader Bolzen verwendet
kann sich
dieser während des Spannens oder Schießens seitlich verschieben. Um
dies zu verhindern formten die antiken Konstrukteure diese
Spannelemente unten
so aus, dass diese formschlüssig in den Spannbuchsen fixiert waren.
Eine
weitere Besonderheit sind zwei zur Mittelachse der Bolzen
symmetrische
Ausbuchtungen an den Oberseiten. Damit wird die unterschiedliche
Längendehnung
der Torsionsbündel beim Spannen ausgeglichen. Die Zugbeanspruchung der
Sehnenbündel wird auf diese Weise von außen nach innen gleich gehalten.
Spannbolzen
Die
Spannbolzen erfüllen einen weiteren Zweck: An ihnen wird der
Spannschlüssel
angesetzt um den Torsionsbündeln die nötige Vorspannung zu geben.
Konstruktiv
bedingt muss daher der Bereich der Bolzen frei von Bohrungen für die
Vorstecker
bleiben. Die Spannschlüssel greifen formschlüssig über die Spannbolzen
und
diese werden – nach Ziehen der Vorsteckbolzen – samt der Spannbuchsen
gedreht.


Links mit eingezogenem Sehnenbündel, rechts mit eingestecktem Katapultarm.
Das
Sehnenbündel ist im entspannten Zustand dargestellt.
Katapultarme
Die
beiden Katapultarme verwandeln die in den verdrehten Seilbündeln
gespeicherte
Energie über ihre Hebelwirkung in eine geradlinige Vorwärtsbewegung der
Sehne
samt Geschossbolzen. Neben der Sehne sind es die am höchsten
beanspruchten Teile. Die
Katapultarme bestehen aus Holz mit einer Eisenarmierung. Die
Eisenarmierungen
dienen der Verstärkung der Holzteile und verhinderten bei deren Bruch
ein
unkontrolliertes Davonfliegen
von hölzernen Bruchstücken.
Werden
bei einem traditionellen Katapultsystem die Arme beim Spannen in die
Sehnenbündel hineingedrückt, kommt beim internen System ein anderer
Effekt zum
tragen. Die Kräfte wirken umgekehrt und „ziehen“ die Teile aus den
Sehnen. Beim
Schießen werden die Katapultarme außerdem nach vorne beschleunigt und
fliegen –
ohne geeignete Haltemaßnahmen – aus den Torsionsbündeln heraus. Die
Lösung
ist ein
an geschmiedeter Haken am Ende der Eisenverstärkung. Ein weiterer Haken
auf der
Gegenseite bewirkt eine wirkungsvolle Zentrierung in den Sehnenbündeln.
Zur
Aufnahme der Bogensehne dient ein an die Verstärkungsleiste
an geschmiedeter
Haken. Der Sehnenhaken ist fest montiert und direkt im Holz geschäftet.
Ein verschiebbarer Sehnenhaken zur Anpassung an die Sehnenlänge macht
bei einem internen
Katapultsystem wenig
Sinn, da die Arme im Ruhezustand nahezu parallel
stehen.
Dazu kommen die enormen Kräfte, welche einen aus der Schäftung
hervorstehenden Haken verbiegen würden.
Abbildung 12
Katapultarm mit
Eisenarmierung
Der Katapultarm wird durch das entspannte Sehnenbündel hindurchgeschoben, um 90° gedreht und mittels der beiden Haken zentriert. Erkennbar ist jetzt (Abbildung 8) die Funktion der Aussparung in der vorderen Strebe. Dort findet der Katapultarm in seiner vorderen, entspannten Stellung sein Widerlager. Dadurch wird auch jedes Mal nach einem Schuss die Lage des Katapultarmes in den Sehnen korrigiert.
Die Abbildungen 5 und 6 zeigen den Vorteil
dieser Konstruktionsart eines
Torsionsständers.
Bauteile
dieser Art – in jeweils einer Rechts- und einer Linksausführung –
konnten
fertig bespannt bevorratet werden.
Wurde
ein Sehnensatz beim Einsatz beschädigt, war ein schneller Austausch
gegen ein
bereitgestelltes, intaktes System möglich. Der Katapultarm musste
herausgezogen
und danach die Eisenkeile an der Unter- und Bogenstrebe gelöst werden.
Außerdem war es möglich ein verschlissenes oder defektes
Torsionssystem
ins
Arsenal zu geben, ohne das eigentliche Geschütz vom Einsatzort
entfernen zu
müssen.
Diese
Möglichkeit war bei den traditionellen Waffen in Holzständerbauweise
nicht
gegeben.War
die Bespannung beschädigt, musste diese in einer aufwändigen
Prozedur ersetzt werden. Eventuell war es sogar notwendig das gesamte
Geschütz
zur Reparatur ins Arsenal zu bringen.
Bevor die nun fertig montierten
Torsionsständer in die Bogen- und untere
Querstrebe
eingesetzt werden, müssen die Schutzhülsen aufgesetzt werden. Diese
bestehen aus
zwei Teilen und haben Aussparungen für die Halteösen der Ständer und
natürlich
Raum für die Spann- und Schussbewegung des Katapultarmes. Durch die
kreisrunde
Ausführung der Spannringe am Torsionsständer können die Hülsen
formschlüssig
angesetzt werden. Ihren eigentlichen Halt bekommen die beiden
Schutzbuchsen
durch die Haltegabeln der Streben die mit dem Torsionsständer verkeilt
werden.
Auf
Feldzügen waren die Geschütze der Witterung und im Kampfeinsatz auch
gegnerischer Waffenwirkung ausgesetzt. Um das empfindliche
Sehnenmaterial der
Spannbündel vor äußeren Einwirkungen zu schützen, erfolgte eine
Abdeckung
mittels Deckeln und zylindrischen Hülsen. Als
Materialien standen Eisen- oder Bronzeblech zu Verfügung. Als
Herstellungsverfahren für die Deckel bietet sich Bronzeguss an. Möglich
wäre
auch getriebenes Bronze- oder Eisenblech. Für
die zylindrischen Buchsen sind getriebene Blechhülsen am
wahrscheinlichsten.
Schutzdeckel aus
Bronze.Darstellung
im Schnitt
zur
Verdeutlichung der Montagesituation
Die
Deckel können auf die Spannbuchsen aufgesteckt oder –
je nach
erreichbarem Passmaß – auch aufgeklemmt werden. Dies ist
unproblematisch
für die
oberen
Deckel.
Die unteren Deckel hätten auf die gleiche Weise montiert werden können.
Es
bestand dann aber immer die Gefahr, dass diese sich durch
Erschütterungen beim
Transport ablösen konnten. Tatsächlich sind bei der Darstellung einer
Transportsituation auf der Trajanssäule die unteren Deckel entfernt
(siehe
Menüpunkt "Analyse").
Die
zylindrischen Schutzbuchsen sind geteilt hergestellt. Auf die
Torsionsständer geschoben, werden sie mit den Gabelenden der Streben an
den
Ständern befestigt. Die quadratischen Aussparungen oben und unten sind
der
Durchlass für die Halteösen der Torsionsständer an denen dann die
Bogen-
und
Unterstrebe fixiert werden. Die
Öffnung für den Katapultarm ist an den Rändern nach außen getrieben, um
eine
Beschädigung der Holzteile des Katapultarme durch scharfe Blechkanten
zu
vermeiden.
Zweigeteilte Schutzhülse
für die Torsionsständer.

Abbildung 15
Die
beiden Hälften der
Schutzhülsen werden
auf dem
Torsionsständer fixiert.

Links. die beiden Schutzhülsen sind montiert.
Rechts, die beiden Abdeckkappen sind ausgesteckt.
Der
Schaft
Der
Schaft nimmt den Schieber samt Verschluss sowie die Spannvorrichtung
auf.
Zur
Führung des Schiebers ist eine schwalbenschwanzförmige Nut
eingearbeitet. Am
hinteren Ende sind die Lager für die Spannwinde montiert, weiterhin
sind vorne,
unten die beiden Haltewinkel befestigt, mit denen der Schaft am
Spannrahmen
an genietet wird.

Abbildung 18
Schaft
mit Führung für
den Schieber und den Lagern für die
Winde.
Seitlich sind die Rastenleisten für das Sperrwerk angenietet.

Explosionszeichnung zur
Verdeutlichung des
konstruktiven Aufbaus.
Verschluss
und Spannschieber
Zum
Spannen der Sehne ist eine Vorrichtung zum Verriegeln der Sehne
(Verschluss)
notwendig. Dieser muss in Richtung der Schussachse beweglich angeordnet
sein, um
ein Spannen der Sehne durch eine Zugbewegung nach hinten zu
ermöglichen. Da es
selbst bei gleichmäßiger Vorspannung der Torsionsbündel zu kleinen
Unregelmäßigkeiten kommt, muss der Verschluss seitlich geführt werden.
Wäre dies
nicht der Fall käme es zu einem seitlichen Auswandern des
Verschlussstücks.
Außerdem führt eine etwas über dem Schieber stehende Sehne zu einem
Kippmoment
im Verschluss, welches auch durch eine geeignete Konstruktion
aufgefangen
werden
muss. Aus diesem Grund wird dieses Bauteil –
nach antiken Vorgaben – üblicherweise auf einem Schieber montiert,
der unten
schwalbenschwanzförmig
aus gearbeitet ist und im Schaft geführt wird.
Abbildung 20
Verschluss mit Haltegabel für die Sehne.
Die
Sehne wird in einem gabelförmigen Haltestück fixiert, welches als Wippe
in einem
Gabelkopf gelagert ist. Das Haltestück wird durch einen Abzugshebel in
Position
gehalten. Wird der Abzug nach hinten gezogen, kann der Sehnenhalter
nach
oben
ausweichen und die Sehne freigeben. Am
Verschlussstück ist noch ein Handgriff an genietet. Dieser kann nach
oben geklappt werden und dient zum Vordrücken des Schiebers.
Abbildung 21
Verschluss in Explosionsdarstellung.

Abbildung
22
Verschluss auf Schieber montiert.

Abbildung 23
Schieber von unten. Die
Vernietung des Verschlusses erfolgt
mittels einer Gegenplatte.
Das lineare
Verriegelungssystem
Bei der linearen Verriegelung erfolgt die
Sperrwirkung durch längs
am Schaft angeordnete Sperrelemente (Rasten), in die am Schieber
angeordnete Sperrklinken eingreifen. Die
Rasten können theoretisch in das Holz des Schaftes eingearbeitet
werden, günstiger wären jedoch Rastenleisten aus
Metall, Schmiedeeisen oder aus Bronze gegossen (Abbildungen 24 und 25).

Abbildung 24
Schaft mit montiertem Schieber. Die Spannrolle ist montiert.
Abbildung
24 verdeutlicht die
Funktion der
Winde. Das Spannseil ist am Verschluss des Schiebers befestigt und
dieser
kann nun - im Schaft gleitend - zurückgezogen werden.

Abbildung 25
Alternative,
radiale
Verrieglung mit Sperrrädern und Klinken
Die Verrieglung erfolgt hierbei durch zwei
Sperrräder mit
einer Doppelklinke.
Die Klinke verhindert eine Vorwärtsbewegung des Schiebers durch die
Spannkraft der
Sehne. Die Sperrräder sind auf die Rolle
der
Winde
aufgesteckt und befestigt. Als Vorbild für die Rekonstruktion der
Sperrräder diente
ein Fundstück
aus dem griechischen Ephyra. Nach
erfolgtem Schuss wird die Sperrklinke nach vorne geklappt und der
Schieber kann
– bei nun frei drehenden Sperrrädern –
nach
vorne
geschoben werden.

Abbildung 26

Abbildung 27
Seitenansicht von von
rechts. Erkennbar ist die Rolle der Winde,
das rechte Sperrrad und
die
Halteklinke.

Radiales Sperrwerk als
Winde
mit Kurbel
Das
Dreibein
Es
sind zwei Varianten für den Ständer möglich:
Variante
2: Podialausführung zur Aufstellung auf einer Geschützbank, Abbildung 31
Für
Variante 1 spricht, dass das Geschütz problemlos auf einem Wagen oder
auf dem Boden
aufgestellt werden kann, ( eigentlich die wahrscheinlichere Ausführung).

Abbildung 30
Dreibeinständer zur
Bodenaufstellung, mit Scharnier für

Abbildung 31
Dreibeinständer mit Unterbau.

Schaft,
Spannrahmen und das
Scharnier des
Dreibeins im vernieteten Zustand.
Geschütz
gesamt mit Ständer für Bodenaufstellung

Geschütz
fertig montiert in der Ansicht von hinten links. Die Katapultarme
stehen in vorderer, entspannter Position.

Geschütz
im fertig
montiertem
Zustand. Ansicht von vorne.

Abbildung 35
Der
Schieber steht in
seiner vordersten Position. Der Verschluss ist wieder
geschlossen und die Sehne eingehängt.
Abbildung 35 zeigt, wie weit der Schieber
– bei
einem intern wirkenden
Katapultsystem – vorgeschoben werden muss, um die Sehne
einzuklinken.
Anmerkung:
In
der Praxis hat sich gezeigt, dass sich die Sehne problemlos mit beiden
Händen
ca. 15 - 20 cm zurückziehen und einklinken lässt, da die Torsionsfedern
die ersten
5 - 10° des Spannwinkels noch relativ „weich“ sind. Damit wird das
Problem des
sehr weit herausragenden Schiebers etwas gemildert.
Geschütz im
gespannten
Zustand.
Der
Geschossbolzen ist
eingelegt.

Abbildung
37
Geschütz im gespannten Zustand in der Seitenansicht.
Transportwagen
(carrus)
Die
Torsionsgeschütze wurden auf Feldzügen mitgeführt, waren also
transportabel. Es
wurden zweirädrige Wagen mit zwei Zugtieren verwendet. Die Wagen
hatten
einen kastenartigen Aufbau und Speichenräder. Die Rekonstruktion ist
stark an
eine Darstellung auf der Marc - Aurel - Säule angelehnt.
Als Spurweite
wurde das
gängige römische Maß von ca. 1,2m verwendet.
Rekonstruierter,
zweirädriger Transportwagen.
Rekonstruktionsversuch mit Scherendeichsel.
Abbildung 39
Das Geschütz ist einfach in den Wagen gestellt. Für den Transport sind
am Rand
des Wagenaufbaus Zurrösen angebracht (Trajanssäule). An diesen kann das
Waffensystem transportsicher befestigt werden.
Abbildung
40
Wagen mit
Geschützbank und
Haltezapfen
für den
Ständer des
Geschützes.
Podialausführung
auf Wagen montiert.
Diese Ausführung kommt den Darstellungen
auf
der Trajanssäule sehr nahe. Zugtiere sind nicht dargestellt.
(Geschützausführung
mit radialer Verrieglung des Spannschlittens).

Abbildung
42
Podialausführung
auf Wagen montiert in der Seitenansicht.
Mittels
Drehzapfen auf der Geschützbank ist der Ständer sicher gehalten. Die
Grobausrichtung auf das Ziel erfolgt mit Wagen samt Zugtieren (Zugtiere
nicht
dargestellt). Die mögliche Verlagerung der Schussachse aus der
Deichselrichtung
erlaubt mehr als ausreichende Korrekturen.
Seitenausrichtungsmöglichkeit
bei
auf dem Drehzapfen montiertem
Geschütz

Abbildung
44

Abbildung 45
Vom Wagen abgesetzter Betrieb, das Dreibein steht auf einem Holzstapel.
(Geschützausführung mit Längsverrieglung
des Spannschiebers)
Wird das
Geschütz vom Wagen abgenommen, ist ein Unterbau (Podest)
notwendig. Bei
Wehrbauten wäre eine gemauerte Geschützbank aus Stein möglich gewesen.
Die
Ausführung mil langem Ständer (Abbildung 39) dürfte die
wahrscheinlichere Variante sein. Das Geschütz wurde dann einfach vom
Wagen herunter gehoben, und war dann ohne weitere bauliche Maßnahmen
sofort einsatzbereit.
Geschossbolzen
Bei
einem Torsionsgeschütz handelt sich es um ein Waffensystem, dem über
die Winde manuelle Energie zugeführt wird. Diese wird in den
Torsionsbündeln
gespeichert und beim Schuss über die Katapultarme und die Sehne an das
Geschoss
abgegeben. Dieses fliegt dann in einer parabelförmigen Flugbahn zum
Ziel. Die
Wirkung im Ziel hängt von der Geschwindigkeit und der Masse des
Flugkörpers ab. Der
Geschosspfeil sollte also möglichst schnell und schwer sein. Kommt ein
Handbogenpfeil auf ca. 50 Gramm liegt das Gewicht des Bolzens für einen
Torsionskatapult bei ca. 350 Gramm.
Da die Geschwindigkeiten annähernd gleich sind, wird durch die Massenvergrößerung eine siebenfache Wirkung im Ziel erzeugt. Der rekonstruierte Geschossbolzen hat eine Länge von ca. 50cm. Der größte Durchmesser beträgt 35mm. Die Eisenspitze ist ca. 80mm lang und wiegt 120 Gramm. Die Vierkantspitze geht in eine kegelförmige, geschlitzte Tülle über mit der die Geschossspitze auf dem Holzschaft des Pfeils aufgesetzt wird. Die Stabilisierung im Flug erfolgt durch ein Flächenleitwerk mit deri um 90° versetzten Flügeln. Ein vierfaces Leitwerk ist technisch nicht machbar, da der Pfeil mit seiner Unterseite in der Führungsrinne aufliegt.

Abbildung 46
Geschossbolzen
mit Holzschaft
und eiserner Vierkantspitze.
Rekonstruktion
nach Funden
aus Dura Europos (Mitte 3. Jahrh. n. Chr.)

Geschossspitzen
mit
Angel oder Tülle für den
Holzschaft
Abbildung 48 zeigt den Bolzen eingelegt
und das Geschütz in maximaler Spannposition. In
dieser
Position ist der Sehnenwinkel sehr klein, die Senhe berührt schon
leicht
die
Flügel.

Geschossbolzen in
eingelegter Position.
Nach einem Umbau eines rekonstruierten Geschützes auf ein intern wirkendes Katapultsystem mussten vorhandene Geschossbolzen hinsichtlich der Flügel angepasst werden. Die Flügel wurden an den Enden abgeflacht neu Pfeile erhielten ein verlängertes Schaftende und die Flügel wurdenca. 15 mm weiter vorne angesetzt. Das Flugverhalten blieb dadurch unbeeinflusst.

Abbildung 49
Geschossbolzen
mit
Kegelleitwerk nach einem Fund aus Vindonissa
(Windisch)
Abbildung 49 zeigt einen Geschossbolzen
mit
Kegelleitwerk. Das Original hatte eine Länge von 12cm und dürfte
ein
Geschoss für eine Handarmbrust gewesen sein.
Die Rekonstruktion wurde auf eine Länge von 32 cm vergrößert.
Der Schaftdurchmesser hintenbeträgt ca. 28 mm. Bei dieser Geschossform
gibt es bei
kleinen Sehnenwinkeln keine Probleme mit den Flügeln. Nachteil ist die
geringere
Flugstabilität (leichtes
Pendeln), bedingt durch das
weniger
günstige Leitwerk in
Kegelform.
Durchaus denkbar wäre eine zusätzliche Befiederung zur Erhöhung der
Flugstabilität. (Sihe Menüpunkt "Geschützbau")
Steht beim Normalgeschoss die energetische
Wirkung im Ziel im Vordergrund, geht es beim Brandpfeil um die
Auslösung eines Schadfeuers. Brennbares Material –
z. B. mit Öl oder
Pech
getränkte Lappen – wurden in den Brandkörben der
Pfeilspitzen befestigt
und auf geeignete, brennbare
Ziele abgeschossen. Um ein
Verschlöschen während des Fluges zu vermeiden, wurden die Brandsätze
mit
Zusätzen aus
Eisenspänen, Kalk, Salpeter und
Schwefel ergänzt.

Abbildung 50
Brandgeschoss mit
einer als "Brandkorb" ausgeschmiedeten Spitze.
Fazit
Die
durchgeführte zeichnerische Rekonstruktion zeigt auf, wie die Geschütze
der
Trajanssäule konstruiert gewesen sein könnten. Varianten
hinsichtlich des Spannsystems sind denkbar. Es können sowohl radial
wirkende
Sperrsysteme mit Sperrrädern und Klinke
als
auch linear
wirkende Systeme (siehe auch Menüpunkt "Geschützbau") im Einsatz
gewesen
sein.
Auch
hinsichtlich der Anbindung der Torsionsständer an die Streben für die
Torsionssysteme, wären andere Ausführungen möglich gewesen. Eventuell
wurde
auch auf eine Wechselmöglichkeit für
die Torsionssysteme verzichtet (siehe auch Menüpunkt "
Geschützbau") Hinsichtlich
des Ständeraufbaus lassen sich durch die Analyse der Darstellungen auf
der
Trajanssäule zwei Möglichkeiten ableiten. Beide Varianten wurden hier
vorgestellt.
Zeichnungen und Text: Autor
Quellenhinweise
Verwendete Publikationen
und Internetseiten: siehe Menüpunkt
"Referenzen".