Praktisches
Schießen
Ausführung
mit externem Katapultsystem
Der
Spannvorgang
Der
Spannvorgang ist mit der zweiarmigen Kurbel problemlos. Bei steilen
Anstellwinkeln muss der Schaft aber in eine geeignete, nahezu
waagerechte Position
gebracht und dann zum Schuss wieder in die die vorgewählte
Höhenposition
gebracht werden.
Der
Abschussvorgang
Anfangs
kam
es beim Auslösen des Schusses immer wieder vor, dass die Sehne durch
die
Spannkralle über den Pfeil gehoben wurde. Deswegen wurden zwei
Niederhalter angebracht die dies verhinderten, seitdem läuft der
Abschussvorgang
problemlos
reproduzierbar.
Schussweite
Da
anfangs
eine zu starke Bespannung gewählt wurde, war das Geschütz nur sehr
schwer zu
spannen. Da der Sicherheitsaspekt bei den auftretenden Kräften nicht
vernachlässigt werden durfte, entschieden wir uns vorerst eine um die
Hälfte
verringerte Bespannung zu verwenden. Diese ergab bei späteren Versuchen
Schussweiten bis 200m, eine für Vorführungen mehr als angemessene
Reichweite.
Die ersten Schussversuche wurden auf 10m gegen Styroporplatten
durchgeführt. Bei
den ersten Freiversuchen ergaben sich bei Abgangswinkeln von 30°
Schussweiten
bis 100m. Bei Winkeln von 40° konnten bis 200m erreicht werden.
Ideal
zur
Schussweitenregulierung erwies sich der gewählte Rastenmechanismus. So
lässt sich
die Schussweite ohne Veränderung des Abschusswinkels leicht einstellen.
Der
Geschützführer zählt während des Spannens einfach die Rastvorgänge des
Klinkenmechanismus, die gut akustisch wahrzunehmen sind. Bei gleicher
Rastenzahl pro Schuss werden gleiche Reichweiten erzielt. Werden mehr
Rasten
eingestellt erhöht sich die Weite. Bei weniger Rastvorgängen kommt es
zu einer
Verminderung. Dies erwies sich besonders bei schneller Schussfolge als
äußerst günstig. Der
Geschützführer zählt beispielsweise bis Raste Nr. 8 und gibt dem Mann
an der
Spannkurbel dann die Anweisung „Halt“.

Bild 1
Internes Katapultsystem
Schussdistanz: 70m.
Ziel: Rundballen Stroh.
Bei einem Abgangswinkel von ca. 45°
wurde hinter die sichtbare Buschgruppe
geschossen ca. 160m.
Treffgenauigkeit
Bisher
wurde das Geschütz bei etlichen Vorführungen getestet. In der Regel
wurde auf
100m geschossen, meist ohne Zielwand.
Bei
gleichem Abgangswinkel und gleicher Vorspannung gingen die Pfeile im
Umkreis
von einem 2 – 3 m Radius nieder.
Mannscheiben
werden auf 50m von ca. 70% der Geschossbolzen getroffen. Eine 3x3m
große
Zielwand wurde dabei immer sicher getroffen.
Bei
einer
Schießvorführung auf Strohrundballen, konnten nach dem Einschießen
auf 70m
alle Geschosse sicher im Ballen platziert werden.

Bild 2
Doublette mit Ausreißer
links.
Ein
grundlegendes Problem zweiarmiger Torsionsgeschütze ist es die beiden
Torsionssysteme auf eine synchrone Wirkung zu bringen. Dies dürfte auch
und
gerade - wegen dem organischen Material der Spannbündel
(Haarseile oder
Tiersehnen) - für die antiken Geschützbediener eine Herausforderung
gewesen
sein. Während des Schießens ist immer wieder feststellbar, dass es zur
Verschiebung der Sehne aus der Geschützmitte kommt, da sich die
Seilbündel unterschiedlich verhalten. Dies führt natürlich zu
unterschiedlicher
Energieabgabe von Schuss zu Schuss, was sich dann auf die
Zielgenauigkeit
auswirkt. Dann müssen die Vorstecker gezogen werden und die
Torsionsfedern mittels
Spannschlüssel
nachjustiert werden.
Um
reproduzierbar genau schießen zu können sind außerdem aerodynamisch
und
gewichtsmäßig möglichst identische Geschossbolzen notwendig.
Ob
die „Massenverbrauchsware“
Geschossbolzen in der antiken Kriegsführung diesem Anspruch immer
gerecht wurde,
ist stark zu bezweifeln.
Äußere
Einflüsse wie wechselnder Gegen- oder Seitenwind beeinflussen die
Treffgenauigkeit erheblich. Hier helfen – wie auch beim Nachjustieren
der
Torsionsbündel – nur das Können und die Erfahrung der Geschützbedienung.
Durchschlagskraft
Die
Pfeile
mit Vierkantspitze durchschlugen auf 10m 15 Stück Styroporplatten
von
20mm Stärke. 15mm Fichtenholz wird auf ca. 50m Entfernung bis zur
halben
Pfeillänge durchschlagen.
Bei
Freiversuchen drangen die Pfeile beim Aufschlage bis zu der Hälfte in
weichen
Grasboden ein.
Anmerkung:
Durch
die Geometrie der Geschossbolzen, schlanke leicht kegelige Form „keilt“
sich der
Holzschaft beim Eindringen in das Ziel ein.
Dadurch wird die Eindringtiefe gemindert.

Bild 3
Der etwas tangential in den Ballen
gesetzte Treffer steckt 35 cm im recht
kräftig gepressten Ballen.

Bild 4
Ziel verfehlt. Gras nicht gemäht.
Trotzdem Glück gehabt. Die Bolzen
sind im Gras noch zu erkennen.
Problematik
der Geschützvorführung
Problematisch
ist immer das Einschießen des Geschützes. Beliebig freies Schussfeld
ist
so gut
wie nie vorhanden. Immer ist mit Bebauung oder angrenzendem
Gartengelände zu rechnen. Es werden daher
daher oft nur leichte Übungsgeschosse ohne Spitze verwendet, und die
Leistung
des
Geschützes nicht ganz ausgenutzt. Eine Flugweite von 100m ist
ausreichend. Trotzdem sollte die Schießbahn und der
Standbereich des
Geschützes
großzügig abgesperrt werden.

Bild 5
Externes Katapultsystem bei
einem Probeschießen.
Allgemeines
Statement
Immer
wieder stellen wir fest, dass das Geschütz - auch bei statischer
Vorführung ohne
scharfen Schuss - das Interesse der Besucher weckt. Das Konzept
der
Torsionsspannung erregt erstaunen, weil es von der gängigen Vorstellung
eines
Pfeilgeschützes stark abweicht.
Die Konstruktion enthält ein gewisses
Wachstumspotential bezüglich der möglichen Schussleistung die noch in
Versuchen
ermittelt werden kann. Auch werden in Zukunft noch einige kleinere
Verbesserungen
vorgenommen.
Erfreulicherweise
erwies sich die Konstruktion prinzipiell als richtig, die notwendigen
Nacharbeiten haben das zu erwartende Maß nicht übertroffen.
Wechsel
zu einem internen Katapultsystem
Da
man inzwischen
davon ausgeht, dass die Geschützmodelle der Trajanssäule nach innen
schwenkende
Katapultarme hatten, wurde das vorhandene Geschütz Nr. 2 in eine
Variante mit
internem Katapultsystem umgebaut. Was erst wie eine Lappalie erschien,
entwickelte sich zu einer Folge von so nicht vorher gesehenen Problemen.
Der
Umbau
des Spannrahmens, Vergrößerung des Abstandes der Torsionsbuchsen und
die
Anpassung der Torsionsständer (vordere Strebe nun spiegelbildlich)
verlief
problemlos.
Da
die
Sehne nun aber ca. 40 cm vor dem Spannrahmen stand, musste auch der
Schaft und
der Spannschlitten angepasst, und das Spannseil verlängert werden.
Schon
bei
den ersten Schießversuchen kam die völlig andere Charakteristik der
neuen
Konfiguration zum tragen. Wurden die Torsionsbündel wie üblich
vorgespannt, war
das Spannverhalten derart progressiv, dass schon nach halben Spannweg
nichts
mehr ging. Das lag daran, dass sich der mögliche Spannwinkel jetzt fast
verdoppelt hatte und die normal übliche Spannkraft schon nach halbem
Spannweg
erreicht war. Man konnte die beiden Torsionsbündel nahezu ganz
entspannen und
dann trotzdem den kompletten Spannweg, wegen der immens notwendigen
Spannkraft,
trotzdem kaum ausnutzen. Die erheblich höheren Kräfte machten sich auch
dadurch
bemerkbar, dass die Katapultarme aus reinem Holz schon nach 5-6 Schuss
brachen.
Erst
als
dickeres Holz (Esche) verwendet wurde und der Bruchbereich mit
Eisenstäben
verstärkt wurde, löste sich dieses Problem.
Weiterhin
flogen die Katapultarme beim Schuss nach vorne aus den Torsionsbündeln.
Ein
Effekt der bei dem konventionellen Geschütz nicht auftrat, da die
Katapultarme
durch die Sehnenkraft in die Torsionsbündel gezogen wurden.
Hinsichtlich
Reichweite wurden überzeugend gute Ergebnisse erzielt, 150-200m mit
350g
schweren Geschossen waren locker erreichbar. Mit leichten Pfeilen
wurden 200-250m erreicht.
Ein
sehr
angenehmer Effekt war, dass man die Torsionsbündel nach dem Schießen
nicht zur
Schonung des Spannmaterials entspannen musste. Man konnte die relativ
geringe
Vorspannung einfach beibehalten. Dies hat damit zu tun, dass bei dieser
Version
die Schussenergie erst dann – bedingt durch den großen Spannwinkel –
einbringen
muss wenn geschossen wird, während diese beim externen System im hohen
Maß von
vorne herein durch eine höhere Vorspannung bereit gehalten werden muss.
Erstes Schießen mit neuem Katauplt 2009
Bei
ersten Probeschießen mit dem neuen Kataupult wurden in 4 Stunden 120
Pfeile verschossen. Es wurde auf Weiten bis 130m geschossen. Auf ein
Zielobjket wurde verzichtet. Die Bespannung und die Sehne steckten die
Belastung problemlos weg. Alle 6-7 Schuß wurden die Torsionsbündel
leicht nachjustiert. Bei starker Gschützspannung neigte die Sehne dazu
den Spannschieber zu "überholen" und blieb vorne an ihm hängen. Ursache
ist der geringe Überhang des Spannschiebers bei großem Spannweg.
Dies führte auch zu Ausreißern im Abgangsverhalten einzelner
Geschoßbolzen. Offensichtlich hatte die Sehne noch Kontakt zu Pfeil,
obwohl dieser die Führungsrinne schon verlassen hatte. Leichte
Unsynchrontitäten der Torsionsbündel führen zu unvermeidlichen
Relativbewegungen der Sehne zur Schußachse, die dann zu seitlichem
"Wegschieben" der Geschoßbolzen führen, wenn diese nicht mehr in der
Pfeilrinne führen.

Bild 6
Geschütz 2009.
Ausführung mit Spann-
schieber und linearer
Verriegelung.
Wurde die Vorspannung der Torsionsbündel erhöht und der Spannweg dann
nicht komplett ausgenutzt, war der verbleibende Führungweg in der
Pfeilrinne ausreichend lang, um ein zielsicheres Abgangsverhalten
der Geschoßbolzen zu erreichen.

Bild 7
Spannen des
Geschützes.
Das
Spannseil ist bei der Neukonstruktion durch eine Kette ersetzt worden.
Spannketten sind für antike Torsionsgeschütze nachgewiesen.
Gerade beim Innenspanner - mit seinen enormen Spannkräften - war das
früher verwendete Spannseil öfters gerissen.
Die
lineare Verriegelung des Spannschlittens arbeitete absolut
störungsfrei. Die Klinken rasteten immer einwandfrei in den Rastleisten
ein.

Bild 8
Spannenschieber
in vorderer Stellung.
Wider
erwarten machte das Arbeiten mit dem Spannschieber keinerlei
Probleme. Selbst in vorderer Stellung verhakte sich die
Schwalbenschwanzführung nicht und blieb beweglich. Der Griff am
Schieber zur Vorwärtsbwegung des Schieber erwies sich ergonomisch als
äußerts sinnvoll.
Etwas lästig war, daß sich die Spannkette gelegentlich zwischen
Spannrolle und Lagerung festsetzte. Hier muß noch eine zusätzlich
Kettenführung angebracht werden.
Der
Spannhebel erwies sich als zu kurz. Um die Leistung des Geschützes
wirklich auszunutzen, muß eine neue Kurbel mit längeren Hebeln
angefertigt werden.
Nach dem Motto "Was nicht gleich geht, geht nie", war das neue Geschütz
ein Erfolg. Ohne nennewerte Probleme wurde über Stunden geschossen.
Verbessungswürdig waren nur ein paar Kleinigkeiten. Siehe auch
Menüpunkt "Geschützbau".
Bilder und Text: Autor