Verschiedenes
Die Spannbuchsen von Hatra
Im mesopotamischen Hatra wurden Metallteile des Spannrahmens und
Spannbuchsen mit Gegenplatten einer ballista gefunden. Das Geschütz
wird in die 2. Hälfte des 3.
Jahrh. datiert. (D.
Baatz,
"Das Torsionsgeschütz von Hatra", siehe Menüpunkt "Referenzen") Bei den
Spannbuchsen handelt es sich um die größten bisher gefundenen
Buchsen. Die Teile sind aus Bronze gegossen, und weisen zwei
angegossene Verstärkungen für
die Auflage der Spannbolzen auf.

Abbildung
1
Spannbuchse,
Fund aus dem mesopotamischen Hatra. Der
Außendurch-
messer beträgt 28,5 cm, der Innendurchmesser 17,5 cm.
Umzeichnung nach D. Baatz "Das Torsionsgeschütz von
Hatra"
Die
ganze
Ausführung zeigt eine hoch entwickelte
Bronzegusstechnik. Im Bereich, in dem die Kräfte der Sehnenbündel
mittels der Spannbolzen in die Buchse eingeleitet werden,
sind Verstärkungen angegossen. Der
rotationssymmetrische Teil der Buchse konnte dadurch mit geringerem
Materialaufwand ausgeführt werden.
Bogenstrebe und Torsionsständer von Orsova (Rumänien)

Abbildung 2
Die
beiden Torsionsständer mit eingehängter Bogenstrebe.
Abstand Mitte zu Mitte Torsionsständer ca. 1,25m.
Umzeichnung nach D. Baatz und N. Gudea
Die Bogenstrebe
und die beiden Torsionsständer wurden gemeinsam gefunden. Von den
Abmessungen her passen die Teile zusammen und dürften zu einem
Geschütz gehört haben. Wie die Gabeln der Bogenstrebe an die Ösen der
Torsionsständer
angebunden waren ist noch ungeklärt. (siehe auch
Menüpunkt "Analyse")

Abbildung
3
Der
Torsionsständer von Orsova
als Explosionszeichnung.
Zum besseren
Verständnis des konstruktiven Aufbaus
in
Falschfarbendarstellung.
Abbildung3
zeigt die
geradezu modern wirkende Konzeption des Torsionsständers. Der obere und
untere Spannring ist konstruktiv so ausgebildet, dass die Vernietung
der beiden Streben
nicht in der Gleitfläche der Spannbuchse liegt (Spannbuchse ergänzt).
Die Halteösen wurden fertigungstechnisch
äußerst geschickt mit den Streben an den Spannringen vernietet.
Die Lageröffnungen für die
Spannbuchsen haben nur einen Durchmesser von
80 mm. Zieht man den Zentrierbund der Spannbuchsen ab, verbleibt ein
Innendurchmesser der Buchsen von
zirka 65 mm. Ein relativ kleines Kaliber. Ein
deutliches Indiz für ein internes Katapultsystem. Durch
den größeren Verdrehwinkel kann das Federvolumen und damit
der Innendurchmesser (Kaliber) der Spannbuchsen ohne Einbußen der
Schussleistung deutlich verringert
werden.
Spannbuchsen
im Vergleich
Abbildung 4 zeigt zwei Spannbuchsen
im
Vergleich.
Links die Spannbuchse eines externen Katapultsystems (Cremona 69 n.
Chr.), und rechts eine Spannbuchse des Orsova- Geschützes (4.
Jahrhundert n.
Chr.). Die rechte Spannbuchse wurde nach den Funden der Torsionsständer
im rumänischen Orsova rekonstruiert. Vorgegeben sind dabei: der
Außendurchmesser des Zentrierbundes, und der Lochkreis für den
Vorsteckbolzen. Der Lochkreis beider Buchsen ist annähernd gleich,
daraus lässt sich schließen, dass auch die Außendurchmesser beider
Buchsen in etwa gleich gewesen waren. Aus dem Durchmesser der
Aufnahmeöffnungen für die Spannbuchsen des Orsova - Geschützes lässt
sich - abzüglich einer Breite des Zentrierbundes von 7,5mm - ein
Buchseninnendurchmesser von ca. 65 mm rekonstruieren. Hat die
Cremona- Buchse - bei einem Innendurchmesser von ca. 85mm - eine
innere, freie Kreisfläche von 57 cm2
ergibt sich für die
Orsova- Buchse eine solche von 33 cm2.
Der nutzbare Raum für die Sehnenbespannung
ist also bei der Buchse des Orsova- Geschützes nahezu um die Hälfte
geringer.

Bild 4
Links
Spannbuchse aus einem Verwahrfund (Cremona, datiert auf 69
n. Chr.)
Rechts nach einem Spannrahmenfund rekonstruierte Spannbuche aus dem
rumänischen Orsava.
(4. Jahrh. n. Chr.)
Außendurchmesser
und Lochkreise der
Buchsen legen nahe,
dass es sich um vergleichbare Geschütztypen gehandelt hat. Einmal
als Außenschwinger (Cremona) und einmal als internes Katapultsystem
ausgelegt (Orsova). Sollte diese Annahme richtig sein, ist man bei
dem Orsova- Geschütz offensichtlich mit einer vom Federvolumen her
deutlich geringeren Sehnenbespannung ausgekommen. Da man davon
ausgehen kann, dass man bei den jüngeren, moderneren internen
Katapultsystemen hinsichtlich Reichweite und Wirkung im Ziel nicht
unter die Möglichkeiten der älteren Außenschwinger gegangen ist,
zeigt sich hier ein bemerkenswerter Vorteil des internen
Katapultsystems. Man brauchte deutlich weniger Sehnenmaterial für
die Torsionsfedern. Eine Minderung von ca. 40% dürfte als
realistische Schätzung gelten. Für ein einzelnes Geschütz nicht
bedeutsam. Geht man aber von einer großen Zahl an einsatzbereiten
Geschützen und in Arsenalen eingelagerten Ersatzbespannungen aus, ein
durchaus signifikanter Vorteil.
Der Torsionsständer
von Sala
Es handelt sich um eine Ganzmetallkonstruktion aus Bronzeguss.
Die seitlichen Halteösen sind ergänzt.Die Löcher für die Nieten sind am
Original aber erkennbar. Die Ösen
dürften aus Schmiedeeisen gewesen sein. Vermutlich wurden diese
gewaltsam entfernt um das minderwertige Eisen
von der Bronze zu trennen und um dieses dann durch
Einschmelzen weiter verwenden zu können. Die ganze
Ausführung ist äußerst massiv, für höchste Beanspruchung ausgelegt.
Abbildung 5
Massiver
Torsionsständer als
Gusskonstruktion.
Die Halteösen
sind ergänzt.
Höhe des
Torsionsständers ca. 400 mm
Bohrung für die Spannbuchse (Kaliber) ca. 80mm.
Abbildung 6
Dreiseitenansicht.
Die Halteösen für die Streben sind ergänzt. Ihre Größe und Position
lässt
sich aber anhand der vorhandenen Nietlöcher rekonstruieren.
Umzeichnung nach
Boube-Piccot aus:
Aiator Iriarte "The Inswing Theory"
Bobe-Piccot,C:
Les bronces antiques du Maroc.
IV L'equipment militaire e l'armement, Paris 1994
Geschütz mit
Rollensystem
Bei den Darstellungen auf der
Trajanssäule sind keine Katapultarme
abgebildet. Unter dem Menüpunkt "Analyse" wurde diese Problematik
bereits behandelt. Dabei kam die Idee auf,
dass diese Geschütze eventuell gar keine Armsysteme
hatten. Technisch wäre denkbar, dass anstatt der Katapultarme Rollen in
die Seilbündel gesteckt wurden.

Abbildung 7
Hypothetischer
Torsionsständer mit Rolle anstelle eines Katapultarmes.
Denkbar
wäre
eine aus Bronze gegossene Rolle mit Schlitzen für das Torsionsbündel
und einer eingegossenen Bohrung zur Befestigung der Sehne. Eine
Achse zur Führung der
Rolle und eine Befestigung in axialer Richtung des Torsionsständers
wäre nicht notwendig, da das straff vorgespannte
Sehnenbündel die Rolle fixieren würde.
Die Sehne wäre im entspannten Zustand
auf den Rollen aufgewickelt.
Beim Spannen würde die Sehne von den Rollen abgewickelt und dabei die
Spannbündel verdrillt.

Abbildung
8
Hypothetisches
Geschütz mit einem
auf Rollen basierenden Katapultsystem.
Nach dem dieses
Prinzip ansatzweise (durch. M. Böhnisch) simulationstechnisch überprüft
wurde, wurde die Idee nicht weiter verfolgt. Katapultsysteme mit
Armen sind
einfach signifikant leistungsfähiger. Die Vorteile der Hebelwirkung der
Katapultarme lässt sich mit einem Rollensystem
einfach nicht darstellen.
Zeichnungen und Text:
Autor